Stefans privater Blog


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Brief an mich selbst...

Lieber Stefan,

wenn du diesen Brief lesen könntest, würdest du ihn vermutlich zur Seite legen. Zu viel Pathos, zu viel Rückblick, zu viel Gefühl. Du hast gerade genug damit zu tun, den Alltag zusammenzuhalten. Funktionieren ist wichtiger als Nachdenken. Und trotzdem schreibe ich dir.

Du glaubst gerade, dass Stabilität bedeutet, nicht aufzufallen. Dass es klug ist, leise zu sein, Erwartungen zu erfüllen und möglichst wenig Raum einzunehmen. Du nennst das Vernunft. In Wahrheit ist es oft Angst – und das ist okay. Du musst dich dafür nicht schämen.

Was ich dir sagen möchte:
Du bist nicht falsch, weil du anders bist. Nicht zu sensibel. Nicht zu ruhig. Nicht zu viel – und ganz sicher nicht zu wenig.

In den nächsten Jahren wirst du Dinge loslassen, von denen du dachtest, sie wären unverzichtbar. Manche Menschen werden gehen. Manche Wahrheiten werden weh tun. Und ja, es wird Momente geben, in denen du glaubst, du hättest Zeit verschwendet. Aber nichts davon war umsonst. Du hast überlebt. Mehr noch: Du hast gelernt.

Du wirst entdecken, dass Liebe nichts mit Lautstärke zu tun hat. Dass Nähe nicht weh tun muss. Dass man gesehen werden kann, ohne sich zu verbiegen. Du wirst lernen, Grenzen zu setzen – unbeholfen zuerst, dann klarer. Und jedes „Nein“, das dir über die Lippen kommt, wird ein kleines Stück Selbstachtung zurückbringen.

Du wirst schreiben. Nicht, weil du berühmt werden willst. Sondern weil Worte ein Ort sind, an dem du sicher bist. Du wirst feststellen, dass Geschichten manchmal ehrlicher sind als Gespräche – und dass das kein Mangel ist, sondern eine Stärke.

Bitte hör auf, dich mit anderen zu vergleichen. Ihr lauft nicht dasselbe Rennen. Und du kommst an, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Noch etwas Wichtiges:
Du musst nicht erst „heil“ sein, um glücklich zu sein. Du darfst beides gleichzeitig sein – verletzt und lebendig.

In zehn Jahren wirst du zurückblicken und nicht stolz auf große Erfolge sein, sondern auf kleine Entscheidungen:
Dass du geblieben bist.
Dass du dich geöffnet hast.
Dass du dich ernst genommen hast.

Hab Geduld mit dir.
Du bist auf dem Weg.

Dein
Stefan